Die Finnen fanden heraus, dass Zeitung lesen Schüler klug macht. Anhand einer Detail-Untersuchung des nationalen Pisa-Materials können finnische Forscher nachweisen, dass jene jungen Finnen, die regelmäßig Zeitung lesen, sowohl in Mathematik und Naturwissenschaften als auch im Problemlösen besser abschneiden als Nichtleser. Auch die Gleichheit scheint Zeitung lesen zu fördern. Der Anteil der aktiven Zeitungsleser war bei Mädchen und Jungen gleich groß. Allerdings registrieren die finnischen Forscher auch 17 Prozent sogenannter Nicht-Leser. Diese Nicht-Leser, so die Studie, liefen in einer Wissens- und Informationsgesellschaft Gefahr, an den Rand gedrängt zu werden. Nicht nur Zeitungsmacher, sondern auch Eltern und Lehrer seien hier vor „erhebliche Herausforderungen“ gestellt, um auch bei jenen 17 Prozent das Interesse am Zeitung lesen zu entwickeln. TBM stellt Ihnen die Übersetzung der Studie gerne kostenlos zur Verfügung.
Zeitung lesen macht klug
PISA-Sieger Finnland stellt Zusammenhänge zwischen Zeitung lesen und guten schulischen Leistungen fest.
Zeitung lesen macht klug! Wir Zeitungsmenschen wussten das ja schon immer, aber nun ist dieses Wissen amtlich. Eine Folgeuntersuchung vom Institute for Educational Research der Universität Jyväskylä in Finnland nahm sich das Material der nationalen PISA-Studie 2003 noch einmal vor und fand aktuell heraus, dass die jungen Finnen – bekanntlich PISA-Sieger – eifrige Zeitungsleser sind. 59 Prozent der 15-jährigen lesen mehrmals pro Woche und 28 Prozent mehrmals pro Monat eine Zeitung. Das stärkt bei diesen Jugendlichen nicht nur die Lesefähigkeit, so fanden die Forscher heraus, sondern die, die regelmäßig Zeitung lasen, schnitten auch in anderen Bereichen gut ab. Je öfter z.B. Mädchen Zeitungen lasen, desto schneller lösten sie auch in Mathematik die kniffligsten Aufgaben. Aktive Zeitungsleser zeigten darüber hinaus höhere Kompetenzen in Mathematik und Naturwissenschaften. Auch im Lösen von Problemen waren sie den Nichtlesern voraus.
Zeitung lesen fördert Jungen und Mädchen
Aufmerksam machen sollte aber auch ein anderes Teilergebnis der finnischen Untersuchung: Zeitung lesen scheint die Gleichheit zu fördern. Bei dieser Tätigkeit besteht nämlich kein Unterschied zwischen den Geschlechtern. Der Anteil bei den aktiven Lesern war bei den finnischen Mädchen und Jungen gleich groß. Die eifrigsten Zeitungsleser bevorzugten darüber hinaus auch Zeitschriften, Comics, Romane und Sachbücher - neben der Nutzung elektronischer Medien, die in der Beliebtheitsskala gleich hinter den Zeitungen kommen. Auch die Beliebtheit von Online-Zeitungen sei gestiegen.
Ausgewogene Nutzung vieler Medien fördert Kompetenz
Das heißt: vielseitiges, aktives Lesen verschiedener Medien fördert nicht „nur“ die Lesekompetenz und das Lernen insgesamt, sondern der Medienmix erlaubt den Geschlechtern darüber hinaus unterschiedliche Zugänge zum Lesen, denn, so ist mittlerweile bekannt, jeder lernt und liest anders. Dies wiederum bestätigt auch die deutsche Leseforschung, die heute allgemein davon ausgeht, das die ausgewogene Nutzung vieler unterschiedlicher Medien als beste Voraussetzung dafür gilt, sich in unserer heutigen Zeit eine Medienkompetenz zu erarbeiten, die schulisch und beruflich nützlich sein kann. Jungen beispielsweise lesen – allen Unkenrufen zum Trotz – häufig gern, wenn man ihnen den „richtigen“ Lesestoff anbietet.
17 Prozent Nicht-Leser
Doch auch in Finnland gelingt es nicht, allen den Zugang zu der Vielfalt von Texten zu öffnen, die das Lesen fördert. Denn, so die finnische Untersuchung, immerhin 15 Prozent der Jugendlichen lasen nur einmal pro Monat oder weniger oft eine Zeitung. 2 Prozent gaben an, niemals eine Zeitung zu lesen.
Die Finnen finden das beunruhigend und fragen sich, wie man diese 17 Prozent zum Zeitung lesen bewegen könnte. Auf jeden Fall stellt diese Gruppe eine Herausforderung dar, so die Forscher, der sich Eltern, Lehrer und Verleger in Finnland stellen müssten. Nicht „nur“, weil die Nicht-Leser in ihrer Lesekompetenz beeinträchtigt seien, sondern auch, weil diese Gruppe in einer Wissens- und Informationsgesellschaft an den Rand gedrängt werden könnte, da sie zudem über meist nur geringe Lernerfolge und eine niedrige Schulbildung verfügten.
Von Finnland lernen
Das müsste uns in Deutschland bekannt vorkommen und erlaubt die Frage: Wie viele Jugendliche gehören eigentlich hierzulande zu den aktiven Zeitungslesern? Man ahnt es schon, bei uns sieht es mal wieder schlechter aus. Laut dem Danish Technological Institute in Taastrup, das ebenfalls Teilergebnisse der Pisa-Studie auswertet, lesen deutsche Schüler deutlich weniger aktiv Zeitung, als ihre Altersgenossen in Finnland.
Obwohl deutsche Schulen sehr wohl schon länger zur Leseförderung auf die Printmedien als Unterrichtsergänzung setzen. Lehrer schätzen an diesem Medium, das neben der Lesefähigkeit die Medienkompetenz geschult werde. Aber wenn die Finnen sich bereits bei 17 Prozent Nicht-Lesern die Haare raufen, haben wir wohl erst recht Grund dazu.
Für die Zeitungsverlage könnte das heißen, es gibt – trotz der vielschichtigen Angebote, die bereits existieren - sicher noch immer Potentiale, die bearbeitet werden sollten. Man muss nur das richtige Angebot machen und vielleicht häufiger auch einmal an die individuell unterschiedlichen Bedürfnisse der jungen Leserschaft denken. Also, liebe Zeitungsmacher: Ran an die Eltern, die Lehrer und die Jugendlichen, denn Zeitung lesen hat positive „Nebenwirkungen“.
Lesen hilft (Kommentar)
Zeitungsmacher werden auf die Meldung der Pisa-Forscher in Finnland mit Kopfnicken reagieren. Irgendwie wussten sie es doch schon immer: Schüler, die viel Zeitung lesen, sind besser in der Schule und zeigen insbesondere in Mathematik, den Naturwissenschaften und im Problemlösen hervorragende Fähigkeiten. Das Lesen von Zeitungen fördert also das Lernen und die Klugheit. Dagegen zeigen jene 17 Prozent junger Finnen, die wenig oder gar nicht lesen, nur geringe Lernerfolge und eine eingeschränkte Lesekompetenz.
Was wir schon immer ahnten, haben wir nun amtlich bestätigt aus dem PISA-Sieger-Land bekommen: Lesen hilft! Und wer Lesen kann und Inhalte versteht, hat bessere Chancen in Schule und Beruf, ja im Leben allgemein. Das ist in Finnland nicht anders als in Deutschland. Und deshalb ist die finnische Untersuchung der Universität Jyväskylä, die auf den nationalen Daten der Pisa-Untersuchung von 2003 beruht, auch hierzulande interessant und könnte – wie schon andere Ideen aus den skandinavischen Ländern – für uns Anleitung sein, etwas besser zu machen. Denn schließlich konnte Deutschland in Sachen PISA bisher international nicht gerade glänzen. Liegt das vielleicht u.a. auch daran, dass deutsche Schüler weniger Zeitung lesen als ihre finnischen Altersgenossen?
Jugendliche müssen an das Zeitung lesen herangeführt werden – auch in Deutschland. Das geht vielfach nur über Vorbilder. Eltern und Schulen könnten hier Kooperationspartner sein. Wie schon bei der Leseförderung in den Schulen, die aber in erster Linie das Lesen von Büchern unterstützt, könnte eine Förderung und Anleitung zum Lesen von Zeitungen integriert bzw. intensiviert werden. Doch Vorsicht: Nicht alles, was in der Zeitung steht, stimmt und nicht jede Zeitung ist „pädagogisch wertvoll“. Eine Förderung des Zeitungslesens müsste also immer gekoppelt sein mit der Vermittlung von Qualitätsstandards. Jugendliche sollten wissen, was eine gute Zeitung ist und wie man Informationen aus verschiedenen Zeitungen einordnet und bewertet. Das fördert nicht nur die Lese-, sondern auch die Medienkompetenz. Und die ist heute wichtiger denn je.
Und noch einen Aspekt könnten wir aus den neuen PISA-Ergebnissen mitnehmen: Auch Jungen lesen gern, so fanden die Finnen heraus. Wenn man ihnen gestattet, ihre eigenen Zugänge zum Lesen zu finden, z.B. über interessante Zeitungen. Diese werden nämlich von Jungen und Mädchen gleichermaßen gern und viel gelesen. Also, liebe Zeitungsmacher, Lehrer und Eltern: Ran an die ungehobenen Schätze. Macht aus den jungen Deutschen eine Generation von Zeitungslesern, dann klappt es auch mit PISA!
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